» Ziel ist der öffentliche Diskurs um den Umgang mit der Mensa am Park in Weimar und die Vorbereitung einer denkmalgerechten Sanierung «

Zum Auftakt Kritik (Erweitert)

Di, 5.Januar 2010 | Autor: Florian Kirfel | Facebook

Lesezeichen“I came to see a museum and I found a school.”

Das Erstaunen von Leonard R. Bacich war groß, als er 2004 die Bauhaus-Universität besuchte. Der New Yorker Professor hatte mit einer erstarrten Weihestätte für eine ruhmreiche Vergangenheit gerechnet. Stattdessen fand er selbstbewusste Studenten und Lehrer in einer sehr lebendigen Schule vor. Mit seinem Ausspruch traf er das Selbstbild der Universität so gut, dass er seither in der offiziellen Darstellung wie ein Werbeslogan zitiert wird. Zur Emanzipation vom in Weimar allgegenwärtigen Vergangenen trägt die demonstrative Anwesenheit des sozialen Zentrums der Universität direkt am Park bei. Die Mensa zugunsten eines Museums abzubrechen, bedeutet, die Universität in die zweite Reihe zu verweisen.

Einheit von Lehre und Praxis

Der Umbau, Architektur mit und im Bestand, wird ein wesentliches Betätigungsfeld für die kommende Architektengeneration sein. So einfach diese Erkenntnis ist: Ist sie mehr als eine Sonntagsrede? Die in einem Gebäude gebundene graue Energie ist so hoch, dass ein Abbruch nach weniger als 30 Jahren als grobe Umweltverschmutzung gilt. Die architektonische Wegwerfgesellschaft sollte nicht von einer Institution propagiert werden, die auf ihre anspruchsvolle Architektenausbildung stolz ist. Reparatur der Fassaden, Instandsetzung der Haustechnik und eine gute Landschaftsarchitektur, um das Gebäude in den Park einzubinden, werden mehr für zeitgemässe und qualitätsvolle Architektur bewirken, als bildmächtige Neubauten.

Prioritäten der Denkmalpflege

Einer der größten erhaltenen Baukomplexe des Nationalsozialismus, das Gauforum Weimar erhält mit Konjunkturmitteln im Winter 2009/2010 aufwendig originalgetreu restaurierte Fassaden. Eines der wenigen individuell entworfenen Gebäude der sozialistischen Moderne soll hingegen mit öffentlichen Mitteln abgerissen werden. Der Zusammenhang ist polemisch, die Frage, was zeitgenössische Denkmalpflege zu bedeuten hat, bleibt aber unbeantwortet.

Die Ungeliebten

Gebäude der späten Moderne haben es schwer: Sie sind meist noch nicht im “Denkmalalter”, sie haben den ersten Nutzerzyklus hinter sich und müssen repariert werden. Vor allem aber haben sie kaum eine ästhetische Lobby: Die Öffentlichkeit kann wegen der vielen mittelmässigen Architektur der Epoche die Qualitäten nicht erkennen und die Protagonisten der Baugeschichte sind häufig noch in verantwortlichen Positionen und scheinen manchmal vom Drang getrieben, mit dem eigenen Werk auch die eigene Geschichte auszulöschen, die von einer anderen Ideologie geschrieben wurde.

Wartung kommt nicht von Warten

Die Mensa am Park ist ein beispielhafter Fall mangelnder ästhetischer Lobby: Ihr architektonischer Ausdruck verweist eindeutig auf ihre Entstehungsgeschichte im realen Sozialismus. Solchen Häusern eine gute Wartung zukommen zu lassen, sie mit anständiger Landschaftsarchitektur in die eigentlich phantastische Lage einzubinden, scheint schwer kommunizierbar. So verwahrlost das Bauwerk leicht, seine Rückseite verkommt zum Hinterhof, die Fassaden sind ein wenig abgestoßen, es wird hinter ungepflegtem Buschwerk verborgen. Der Raum um das Gebäude, das auf Offenheit und solitäre Lage angelegt ist, wird verengt und macht eine freundliche Wahrnehmung unmöglich. Sehr schnell wird dann aus Vernachlässigung ein gedankenloser Abriss, der bei näherer Betrachtung aus vielen Perspektiven fahrlässig ist.

Dauerhaft genutzt ist nachhaltig gehandelt

Das Argument, die Haustechnik in der Mensa sei nicht mehr zeitgemäss, ist kein Argument für einen Abriss gleich des ganzen Hauses. Neue Haustechnik (Küche, Lüftung usw.) muss ja auch für einen Neubau gekauft werden. Ähnliches gilt für die Energieeffizienz der Gebäudehülle: Der Vorteil an einem Skelettbau mit vorgehängter Fassade ist ja eben, dass die einzelnen Strukturen voneinander unabhängig sind und daher ausgetauscht werden können. Es mag sein, dass eine solche umfangreiche Reparatur des ganzen Hauses am Ende genausoviel kostet, wie ein Neubau. Konventionell gerechnet stünde an dieser Stelle sehr häufig die Entscheidung für den Abriss. Aber eine Universität darf nicht konventionell sein, sondern muss nach auf dem neuesten Stand der Wissenschaft handeln. Und der besagt: Die in der Tragstruktur gebundene graue Energie wurde nur dann verantwortungsvoll eingesetzt, wenn ein Gebäude wesentlich länger als nur eine knappe Nutzergeneration in Betrieb war; mindestens 50 Jahre, besser 80.

Wirtschaftlicher mit Geschäftsideen

Die Mensa wurde für 2500 Essen geplant; zu gross für den heutigen Bedarf. Was ist mit dem morgigen Bedarf? Eine der wesentlichen Sorgen der Universitätsleitung sind die sinkenden Studierendenzahlen. Was passiert, wenn hier eine Trendwende erreicht wird? Wenn diese Trendwende dann noch mit einer (pardon) Steigerung der kulinarischen Qualität zusammenfällt? Wie schnell wird auf einmal dann eine grössere Mensa gebraucht! Wer jetzt für das gleiche Geld, ein etwas zu grosses Gebäude repariert, hat plötzlich Raum für Dinge, an die niemand denkt: Wo ist das Café für all die Touristen im Park? Es bleibt doch nur die Frage Eigenbetrieb oder Pacht und schon kommt eine üppige Extraeinnahme zustande.

Das Bauhausmuseum braucht mehr Platz

Ohne Zweifel, ja; hier wird sich niemand finden, der gegen ein neues Bauhausmuseum wäre. Aber alle bewegt die Einsicht, dass die Verdrängung des universitären Lebens durch ein Museum ein falsches Signal wäre. Auch wenn dem Museum ein pädagogischer Auftrag gegeben werde sollte: Knapp, wie das Budget bemessen ist (soweit dieses überhaupt bekannt ist), kann es kaum mehr werden, als ein Feigenblatt. Aber das Budget ist immer noch hoch genug, um an anderer Stelle in Weimar für Qualität zu sorgen. Wäre das Museum nicht DER Anlass für etwas visionäreres Handeln, um architektonische Qualität über die Stadt zu spannen und über den bestehenden Kern hinauszudenken?

3 Kommentare »

3 Kommentare zu “Zum Auftakt Kritik (Erweitert)”

  1. 1

    Pamela Voigt

    schrieb am 3. Januar 2010, 19:39 Uhr

    Mich überrascht der Beschluß des Abrisses eines eindeutig der Späten Moderne angehörigen Weimarer Gebäudes. Eines in seiner Nutzung und Architektursprache sehr gelungenen Gebäudes. Noch mehr überrascht mich der Beschluß die Hauptmensa, also das anerkannte und gelebte Zentrum der Bauhaus-Universität und der Musikhochschule, von diesem Ort zu entfernen. Wohin soll diese denn dann verlegt also auch wieder neu gebaut werden? Zwei neue Gebäude? Wer beschließt denn so etwas?

  2. 2

    Eva von Engelberg

    schrieb am 6. Januar 2010, 15:07 Uhr

    Tatsächlich zählt die Mensa am Park zu den wenigen und dabei qualitätvollen öffentlichen Bauten der DDR-Zeit in Weimar. Im Rahmen einer Diplomarbeit im Jahr 2009 an der Professur Denkmalpflege und Baugeschichte (Prof. Dr. Hans-Rudolf Meier) und der Professur Bauklimatik (Prof. Dr. Kurt Kießl) wurde die Planungs- und Baugeschichte untersucht und eine architekturhistorische Analyse des Gebäudes vorgelegt. Wie Dipl.-Ing. Stephan Luck herausstellen konnte, handelt es sich bei der Mensa am Park um den einzigen individuellen Mensa-Neubau der DDR, alle anderen Mensabauten folgen mit geringfügigen Abweichungen dem unter anderem in Ilmenau, Merseburg, Leipzig, Dresden und Berlin realisierten Typus.

    Für die damalige Hochschule für Architektur und Bauwesen Weimar war die Mensa eines der wichtigsten Bauvorhaben. In Ergänzung der bestehenden Hörsaalgebäude entstand ein geschützter Hof, der auch heute eine wichtige Campus-Funktion für die Bauhaus-Universität erfüllt. Die Mensa erhielt nicht nur den Architekturpreis des Bezirks Erfurt, sondern wurde auch im „Architekturführer Thüringen“ gewürdigt (Elke Dallmann, Red., Architekturführer Thüringen. Vom Bauhaus bis zum Jahr 2000, Weimar 2000, S. 185).
    Ausgehend vom gegenwärtigen Erhaltungszustand entwickelte Stephan Luck ein Sanierungskonzept, das die Charakteristika und spezifischen Qualitäten des Gebäudes erhalten und dennoch zu einer erträglichen Energiebilanz führen würde. Die Kosten für eine derartige energetische Sanierung, mit der umgehend begonnen werden könnte, würden sich laut den Berechnungen von Stephan Luck auf geschätzte 1,3 Mill. Euro (ohne Folgekosten) belaufen.

    Die Ergebnisse der Untersuchung sprechen eindeutig für den architektonischen, städtebaulichen und historischen Wert des Gebäudes, unabhängig davon, ob es unter Denkmalschutz steht oder nicht. Die Bedeutung der Mensa am Park als einer der wichtigsten Neubauten der Hochschule für Architektur und Bauwesen und der Stadt Weimar zu DDR-Zeiten lassen einen Abbruch eigentlich nicht zu.

  3. 3

    Matthias Abendroth, Dipl.-Ing. Architekt

    schrieb am 9. Januar 2010, 17:49 Uhr

    Das Thema Standort Bauhaus-Museum wurde, wie einigen Lesern vielleicht bekannt ist, unlängst am 22.Oktober im „Offizierskasino“ WE auf eine Initiative der AKT-Kammergruppe Weimar hin, auf der Basis eines hierzu durch das Architektenbüro Gildehaus und Reich Weimar erarbeiteten und nachträglich nun auch endlich der Öffentlichkeit vorgestellten Gutachtens zu einer vergleichenden Bewertung der auftraggeberseitig getroffenen Standortvorauswahl nachträglich öffentlich diskutiert.
    Die Ergebnisse dieses Gutachtens sowie eingrenzende Standortbemühungen seitens der Bauhaus-Universität geben auch aus meiner Sicht der Aussage von Herrn Prof. Schwarzbach Sinn und Recht, und vor allem auch Notwendigkeit: “Die Diskussionen und Stellungnahmen zu den Standorten für ein neues Bauhaus-Museum zeigen, dass unabhängige lokale Sachkenntnis dringend von Nöten ist.”
    Generell müsste aus meiner Sicht der Parkplatzstandort auf dem Arial einer ehemaligen MINOL-Tankstelle, einschließlich der benachbarte und historisch äußerst belasteten „Forumsbebauung“ und auch insbesondere einschließlich des „Weimar-Atriums“ („W-A-R“) – aus meiner Sicht ein sehr kommerziell-distanzloser Umgang mit einer damals historisch äußerst einschneidenden Entwicklung in der Stadtgeschichte und vor allem auch in der Stadtgestalt – insbesondere auch unter dem Vorzeichen von Baukultur (wir haben ja in Thüringen auch eine gleichnamige Stiftung mit einem hierzu ausgesprochen prominentem Vorstand und Präsidium) für einen Bauhausmuseumsneubau stärker fokussiert, und auch gleichzeitig im Hinblick auf die Themen „Ästhetische Botschaften zeitgenössischer Architektur in Weimar“ oder auch „Verlust historisch gewachsener Orte – zum historischen Milieuwandel ganzer Stadtbereiche und zur architektonischen Milieuentwicklung, insbesondere moderner Architektur in Weimar“, unter die Lupe genommen werden…
    Da wurde, wiederum speziell aus meiner Sicht, gerade im Vorfeld der „Atriumrevitalisierung“ viel an historischer, stadtkultureller und vor allem architekturtheoretischer Auseinandersetzung versäumt! Dem wird „Weimar“ auf Dauer in der historisch-phänomenologischen (Verantwortlichkeits-)Analyse wie in der kulturellen Reflexion und „ästhetischen Botschaft“ nicht entrinnen können.

    Meiner „mensaskeptischen“ Position und Wertung zur Standortwahl für ein Bauhausmuseum in WE und zu dem bisherigen diesbezüglichen Verfahren zur Standortauswahl möchte ich hier meinen Optimismus zum Standort der ehemaligen MINOL-Tankstelle und zu den damit verbundenen Entwicklungschancen für eine integrale Entwicklung der Gesamtstadt gegenüberstellen.
    Zumal gerade dieser Standort derzeit als „STÄDTEBAULICHER DEFEKT“ oder als „STADTLÜCKE“ betrachtet und bewertet werden darf, und somit mit einer baulichen, architektonischen Zuwendung nur hinzugewinnen kann.

    Natürlich ist diese Standortwahl MINOL, wie auch die historische und architekturtheoretische Auseinandersetzung mit dem gesamten dortigen Standortumfeld (bis hinein in die jüngste, also aktuelle Historie), eine mutige Herausforderung.
    Sicher ist es immer bequemer über (Kultur- wie Architektur-)Versäumnisse (insbesondere im Bereich der noch agierenden Verantwortungen) den Mantel des Schweigens zu legen, Kritik (auch konstruktive, ggf. zur Vermeidung von eventuell hierbei notwendig werdender Selbstkritik) wegzubügeln und Standort- wie Architekturveräumnisse zu verdrängen oder schön zu reden. Zunächst! Spätestens seit Freud wissen wir, dass Verdrängung, und dies gilt auch insbesondere unter dem Gesichtspunkt der kulturellen Nachhaltigkeit von Architekturqualität und Identität einer Stadtentwicklung, gegenläufige, zumindest jedoch unliebsame Folgen nach sich ziehen kann. Zumeist stellvertretend und dann verstärkt an anderer Stelle…
    Nun liegt es mir fern am Beispiel dieses umstrittenen Museumstandortes unsere Universitäts-, Stadt- und Regionalbaupolitik als „Missbrauchs- oder Verdrängungskette bzw. -verkettung“ zu charakterisieren, doch bin ich schon der Auffassung, dass gerade dieser zugespitzt gewachsene (Architekturentwicklungs-)Standortzusammenhang, dessen zusammengewürfelte (im besten Falle der möglichen Interpredationen) BOTSCHAFTSOHNMACHT nunmehr sehr befremdliche Milieubereiche erzeugt hat, und damit im Stadtbild nach wie vor – also gegenwä(/e)rtig – „präsentiert“ (wenn nicht derzeit immer noch herausarbeitet), einer dringlichen Auseinandersetzung wie aufrichtigen KLÄRUNG und städtebaulich-architektonischen Korrektur bedarf.
    Mutig darf diese Bestrebung auch deshalb gelten, weil diese nun auseinandersetzende Bevorzugung dieses MINOL-Standortbereiches mit seinen historisch bedenklichen wie auch neuartigen, und dennoch architektonisch weiterhin entwicklungsbedürftigen Umfeldkomponenten bereits gefassten Vorurteilen (und „nichtöffentlichen Vorentscheidungen“) wie auch verschiedenen, einseitigen Interessenbestrebungen um das Thema Bauhaus entgegenwirken dürfte.
    Aus meiner (durchaus subjektiv begrenzten) Sicht wäre aber genau dieses Entgegenwirken vernünftig und im guten Sinne ausgesprochen relativierend zukunftstragend.
    Es ist ein schwieriger Standort unter dem Gesichtspunkt einer architektonischen Umfeldeinbindung. Die planerische Bearbeitung dieses Standortes für eine architektonische Ergänzung macht die Umfeldmängel – historische wie gegenwärtige Fehlentwicklungen – deutlich und rückt sie geradezu in den Fokus der öffentlichen Diskussion. Diese kann durchaus konstruktiv wie sinnvoll sein. Und dies wäre dann nicht nur gut, sondern auch überfällig! Denn wenn daraus hervorgeht, dass diese Fehlentwicklungen im Umfeld erneut mit in Angriff genommen werden müssen, ist dies wiederum für das kulturelle Selbstverständnis unserer Stadt und ihre Identität als eine kulturbewusste, lebendige, bewegte, jedoch mit aufrichtiger Aufarbeitungs-(Auseinandersetzungs- und Verarbeitungs-)intensität gut, wichtig und kulturell förderlich wie ausschlaggebend.
    Dieser Beginn einer mutig-offensiven (Stadtumfeld-)Auseinandersetzung an diesem Standort dürfte ganz bestimmt im Geiste des Bauhausgedankens (wenn ich mir an dieser Stelle ausnahmsweise meinerseits die Vereinnahmung des Bauhauses erlauben darf), wie auch im Sinne einer Neuprägung der Ost-West-Achse liegen.
    Und es wäre, wiederum aus meiner persönlichen Sicht und Ahnung, auch sehr gut, wenn das „BAUHAUS“ als Bauhausmuseum an diesem Standort unmissverständlich für sich steht, historisch abgegrenzt als eine wegweisende Institution im Zeitraum zwischen 1919 und 1933, als eigenständige Baukulturetappe und als radikalmoderner Baukulturimpuls für die Nachfolgeentwicklungen. Dass gerade dieser Standtort für diese Thematik besonders geeignet ist, ergibt sich daraus, dass er in diesem Entstehungs- wie Ergänzungszusammenhang auch das stadtlebendige Spannungsfeld komplex widerspiegelt, ja man könnte fast sagen, nun schicksalhaft aufnimmt und rahmt. Dies ist dann umso mehr integralkulturell.

    Ebenso auch aus bauwirtschaftlichen und städtebaulich-architektonischen Gründen pragmatischer Art bleibt dieser Standort MINOL nach meinem Dafürhalten für einen Museumsneubau der geplanten Größe vorteilhaft, insbesondere gegenüber dem Mensastandort – also gegenüber dem von der Universität einseitig zur Zeit favorisierten Bereich zwischen Marienstraße und Ilmpark.
    Standort und Umfeld sind einem größeren Bauvolumen „gewachsen“, ohne dass hierbei sensible, historisch fein gewachsene (zudem inzwischen romantisch anmutende) authentische StadtORTE verloren gehen bzw. vergleichsweise behutsam und kleinteilig gewachsene Stadtstrukturen in Mitleidenschaft gezogen werden, wie dies bspw. am Zeughof (Theaterplatz) der Fall wäre oder alternativ die bauliche Verdichtung zwischen Marienstraße und Ilmpark „Potential“ einer Strukturverunklärung bis hin zum „Strukturkrampf“ in sich birgt. Man sollte hier durchaus und bewußt das drohende Verlustpotential historischer Orte und Stadtstrukturqualitäten nicht außer Acht lassen bzw. unterschätzen, abgesehen von einer weiteren räumlichen Inanspruchnahme und Bedrängungung des Ilmparkes durch das geplante Baufeld in der derzeitigen Bauanfrage.
    Die Veranschlagung der Dekontaminierungskosten am Standort MINOL auf 1 bis 3 Mill.Euro erscheint mir zum einen sehr abenteuerlich hoch geschätzt bzw. vorgeschützt und wirft natürlich die Frage auf, wieso dies nicht schon vor Anlage des jetzigen Parkplatzes erfolgte, der demzufolge seinerseits den „Mantel des Schweigens“ über diese nun stetig unkontrolliert im überbunkerten Untergrund „nachhaltig“ wirkenden Umweltaltlasten legte. Diese Altlastenbeseitigung steht nach meinem Dafürhalten also ohnehin und vollkommen unabhängig von einem Museumsneubau aus!
    Zudem ist gegenzurechnen, dass eine Baugrube in jedem Falle für einen Museumsneubau erforderlich sein wird.
    Im Falle Ersatzbaustandort MENSA Marienstraße aber kämen Abbruchkosten, Ersatzneubaukosten Mensaumlagerung und nicht zuletzt dabei eine sicher zu erwartende Asbestaufwühlung und Asbestentsorgung beim Abriss unseres „Mensapalastes“ als eine ebenfalls teure Angelegenheit und dazu nichtnotwendige wie unkontrollierbare Umweltbelastung bei der Baukostenberechnung/Aufwandbetrachtung noch hinzu.
    Sicher bin ich nun nicht an das Gesamtfeld aller derzeit laufenden Betrachtungen und Standortabwägungen zum Thema Mensa angeschlossen, was natürlich für einen umfassenden, seriösen Baukostenvergleich grundlegend sein dürfte. Doch bin ich mir ziemlich sicher, dass der Aspekt einer baubegleitenden Nachholung einer längst überfälligen Dekontaminierung unseres Stadtgrundes in diesem ehemaligen MINOL-Standortbereich in jeglicher Hinsicht die günstigste Alternative bildet und zudem für die Museumsplatzierung nur begleitend relevant sein kann, da hier auch eventuell eine verpflichtende Einbindung des Verursachers „EX-MINOL-TOTAL-FINA-ELF“ in die stadtfunktionell wie umwelthygienisch ohnehin erforderliche Altlastenbeseitigung einen zusätzlichen Bonus zur vergleichsweisen Baukostenreduzierung an diesem Vorzugsstandort MINOL darstellen dürfte.
    Auch sind wesentliche Voraussetzungen in der Infrastruktur an diesem Standort konkurrenzlos günstig: Bahnhofsnähe, Tiefgarage Weimar-Halle (evtl. mit Erweiterungsmöglichkeiten), Nähe Tiefgarage WE-Atrium, Großparkplatz Schwanseestraße-Asbachstraße am Stadtring, zentrale und allseitig gute Verkehrsanbindung/Erschließung, Stadtparknähe, Nachbarschaft Kongresszentrum „Weimarhalle“nneubau, Nähe Universitätsbereichsstandort Coudraystraße, zentrale Lage in der Stadt Weimar, Theater- und Zentrumsnähe.
    Eine Stärkung der Ost-West-Stadtachse durch diesen Museumsneubau ergänzt den Stadtkern tangential zur Nord-Süd-Achse. Damit sind und bleiben Touristenströme/-ballungen auch zentral.

    Es würde mich persönlich sehr freuen, wenn hier seitens der Weimarer Stadtverwaltung und Politik, wie auch seitens der Stiftung Weimarer Klassik, zu diesem Museumsstandort eine aufgeschlossene und vor allem offene Debatte unter vertrauensvoller wie wirksamer Einbeziehung der interessierten Stadtöffentlichkeit geführt wird, so dass letztendlich eine „runde“, der historischen Bauhausthematik (frei von Einseitigkeiten und örtlichen Vorurteilen) wie der historischen Innenstadt von Weimar angemessene, kulturell tragfähige und städtebaulich optimale wie architektonisch einfühlsame Lösung im Sinne der integralen Stadtentwicklung zur Umsetzung gelangen kann.

    Und gerade vor diesem Hintergrund ist aus meiner Sicht dieser derzeitige Parkplatz auf dem Arial der ehemaligen Minoltankstelle nicht nur der von den stadtfunktionellen Rahmenbedingungen und Standortvoraussetzungen der qualifizierteste Standort für eine kulturell (nicht zwangsläufig materiell) hochkarätige architektonische, wie dabei auch kulturhistorische wie sozial-kulturelle Auseinandersetzung, sondern auch für die Stadtentwicklung unter dem Vorzeichen der eleganten Schonung anderer Ressourcen, insbesondere Geld/Bundes-, Landes-, Stadt-, Stiftungs-Haushaltsmittel (vorhandener Mensa-Bau) und historisch gewachsener, authentischer Orte, Stadtbildqualitäten und Stadtstrukturen (auch die in der Marienstraße), das in diesem „Verrechnungszusammenhang“ fruchtbringenste, zukunftsorientierteste Potential. Auch deshalb, damit nicht in Weimar die gleichen Fragwürdigkeiten weiterwachsen, wie an anderen Orten, wo beispielsweise ein Palast der Republik abgerissen wurde, um einen Palast der Bundesrepublik aufzubauen.

    In der Hoffnung, dass diese Thematik mit höchster Sorgfalt und ausgesprochen umsichtiger Verantwortung, insbesondere unter stadtkultureller und ästhetischer Kontrolle verstärkt im historischen Rückblick!, wie auch verstärkt öffentlich weiterverfolgt wird, verbleibe ich in bester Zuversicht.

    Weimar, am 08.01.2010


Verfassen Sie einen Kommentar

  • Möchten Sie Ihr Anliegen als eigenen Artikel auf dieser Website verfassen, treten Sie bitte mit uns in Kontakt. Gerne geben wir Ihrer Meinung zum Thema hier eine Plattform.