» Ziel ist der öffentliche Diskurs um den Umgang mit der Mensa am Park in Weimar und die Vorbereitung einer denkmalgerechten Sanierung «

Offener Brief an Lehrende der Hochschulen

Mi, 6.Januar 2010 | Autor: mensadebatte.de | Facebook

Sehr geehrte Professorinnen und Professoren,
lieber Mittelbau,
liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,

wie Sie bereits in der Presse verfolgt haben, ist der Standort der Mensa am Park der derzeit präferierte Ort für den Neubau des Bauhaus-Museums. Diese Standortoption wurde maßgeblich durch die Universitätsleitung unserer Hochschule initiiert. Dabei wird das soziale Zentrum der Hochschule, in erster Reihe am Park gelegen, in Frage gestellt.

Die Diskussion um die Erhaltung der Mensa am Park und ihrer Qualitäten für die Studierenden und Lehrenden der Hochschulen in Weimar darf selbstverständlich nicht zu Lasten eines Neubaus des Bauhaus-Museums gehen.

Es muss aber auf der anderen Seite ebenso gefordert werden dürfen, dass die Diskussion um die Standorte des Museumsneubaus nicht zu Lasten der Universität und einer Architektur geht, die sich aufgrund fehlender Lobby (noch) nicht auf der Denkmalliste des Freistaates Thüringen wiederfindet.

Aus diesem Grund haben wir eine Internetseite eingerichtet, die Hintergrundinformationen über das Gebäude, sowie bisherige Entwicklungen beschreibt und eine Debatte zum Umgang mit der Mensa am Park befördern soll. Wir würden uns über Ihre Meinungen, Beiträge und Kommentare sehr freuen.

Mit freundlichem Gruß,

Initiative mensadebatte.de

7 Kommentare »

7 Kommentare zu “Offener Brief an Lehrende der Hochschulen”

  1. 1

    Bernhard Oedekoven

    schrieb am 7. Januar 2010, 09:39 Uhr

    vorweg, bin “nur” Jurist und Fraktionsvorsitzender der FDP im Weimarer Stadtrat.

    In einem Kommentar auf dieser Seite werden das Gauforum und die Sanierungsgelder hierfür erwahnt. 1992 ff war ich eine zeitlang mitverantwortlich für die Geschicke des Gauforums und verstand die Zweifel über die Denkamleigenschaft dieses Ensembles und die Diplomarbeit über den Teilabriss (bei Prof. Wirth) überhaupt nicht. Die spätere Denkmalauseisung erhielt dann lächerliche Fehler, da Wandbemalungen im Kellergewölbe einer vollkommen falschen Zeit und Motivation zugeschrieben wurden.
    Aber: alles ist gut geworden.

    Jetzt 18 Jahre später eine vergleichbare Diskussion:
    Das 1000-jährige Reich von 1933-1945 und der die Zukunft gehörende Sozialismus bis 1989 hatten nicht allzu viel Zeit etwas lohnenswert Bleibendes zu hinterlassen. Während die Kirche in WE-Schöndorf ein Klassebeispiel und ein seltenes der DDR Architektur darstellt, wird man selbst von Kunstbeflissenen (auch in der eigenen Fraktion) wie ein Fragezeichen angeguckt, wenn man der Mensa den selben Status einräumen möchte. Ich gehe gar so weit zu sagen, dass wenn die Mensa eine Kirche wäre, würde sich nieman an ihr vergreifen.
    Apropos: neben der Neuapostoloschen Kirche, die gerade im Bau befindlich ist, favorisiere ich das neue Bauhausmuseum! Wo das ist? Hinterm Haus 2 des Gauforums.
    Warum?

    1. Was heißt Nähe zur Bauhausuni, wie Zimmermann sagt? 100 Meter? 1000 Meter? oder gehen noch 1300 Meter? Alles Quatsch! Vom Bahnhof bis Belvedere, vom Erfurter Tor bis zum Webicht ist in Weimar alles nah am Bauhaus.

    2. Welch eine Provokation?! Das neue Bauhausmuseum neben dem Gauforum! Welch ein hämischer Spaß gegenüber den Rechten!

    3. In Weimar ist alles so Schillerstraßen/Frauenplan- lastig.
    Eigentlich geht es doch für den Interssierten spätestens vom sehenswerten Bahnhof über das Neue Museum/ Gauforum/künfiges Bauhausmuseum über den Rollplatz/Jakobskirche in die Stadt und an der anderen Seite über den Frauenplan/Marienstraße/Mensa/ Liszthaus/Parkhöhlen und Fischerwand nach Belvedere.
    Um also den Norden aufzuwerten, sollte dort das Bauhausmuseum hin.

    4. Das alte Bauhausmuseum wird das Haus der Demokratie. Ggü. dem DNT als Plenarsaal der Republik eine Deutsches Museum in bestehender Archtektur. Allemale besser als einen Kubus dahinterzuklotzen und die Lisztstudenten 3 Jahre lang aus dem Kloster zu vertreiben.

    5. Dass das Parkhaus am Weimarhallenpark und das am Atrium auch noch meinen Standort favorisieren, fällt kaum ins Gewicht.

    6. Noch weniger zählt allerdings das Gegenargument in der Bewertungsstudie, dass das Präsidentenzimmer Seemanns zu weit vom Neuen Bauhaus entfernt sei, wenn dieses am Gauforum wäre.

    Alternative gefällig? Festhalten!
    Beethovenplatz, aber dazu ein anderes mal.
    Mit liberalem Gruß
    Bernhard Oedekoven

  2. 2

    Student

    schrieb am 7. Januar 2010, 10:38 Uhr

    Ich würde an die erste Stelle stellen das die Mensa erstmal ordentlich Kochen lernt (auch die Preise sind im vergleich zu anderen Mensen enorm)
    Ich koche fast immer daheim weil ich von der Qualität nicht überzeugt bin. Daheim in Bremen dagegen erwische ich mich oft in der Uni Mensa weil das essen dort so gut, vielfältig und günstig ist.

  3. 3

    Seba

    schrieb am 7. Januar 2010, 10:38 Uhr

    Ich lese hier Bedauern darüber, dass sich die diskutierte “Architektur … aufgrund fehlender Lobby (noch) nicht auf der Denkmalliste des Freistaates Thüringen wiederfindet”.

    Die Autoren dieser Sätze wohnen sicherlich in weiteren gemütlichen Betonvertretern dieser Architektur in Weimar-West oder Weimar-Nord und sind beim Gang durch das bourgeois-langweilige und zugige Musikerviertel jedesmal dankbar, dass Sie ihre Nächte nicht dort, sondern in der anheimelnden Platte verbringen können.

    Im Ernst: Die Mensa ist nicht nur ein energiefressendes Ungetüm, sondern auch schlicht unpraktisch und ungemütlich. Jedenfalls empfinde ich ein Gebäude so, dessen Lobby niedrig und dunkel ist, dessen Toiletten kein Tageslicht haben und dessen Speisesäle zugig sind. Vielleicht wäre es ganz nützlich, an dieser Stelle nicht nur über den architektonischen Wert, sondern über den praktischen Nutzen eines Hauses zu debattieren, an dem auch eine Sanierung nichts grundlegend ändern dürfte.

  4. 4

    Elke Beilfuß

    schrieb am 7. Januar 2010, 15:17 Uhr

    Hochschulgeschichtlich – diesjährig wird die Weimarer Universität ihre Gründung vor 150 Jahren feiern – ist die Mensa am Park für die Bauaufgaben und die Entwurfsleistung, namentlich Anita Bach, ein erhaltungswürdiges Beispiel. Diese Ansicht legte auch die kleine, aber feine Ausstellung zum 80sten Geburtstag der Architektin und zugleich zum 25jährigen Bestehen der Mensa nahe. Die Ausstellung wurde von Frau Dr. Christiane Wolf vom Archiv der Moderne (BUW) kuratiert und 2007 in der Mensa gezeigt. [http://www.uni-weimar.de/cms/index.php?id=455&mitteilungid=35789]

    Bekanntlich besteht eine große Gefahr darin, mit der jüngeren Geschichte und deren architektonischer Zeitzeugen radikal aufzuräumen. Es ist also an der Zeit – heute − zwanzig Jahre nach dem Mauerfall, nicht sorglos mit den architektonischen Zeitzeugen der DDR umzugehen. Der Palast der Republik war ein spezielles Beispiel dieser Art. Er hielt, als ehemaliges repräsentatives, zeitgeschichtliches Machtsymbol nicht stand und wurde bekanntlich 2008 auf Grund eines Bundestagsbeschlusses von 2003 abgerissen, zugunsten des Wideraufbaus des 1950 gesprengten Stadtschlosses. Anders als das Gebäude der Mensa in Weimar, war also der Palast der Republik in Berlin a) politisch hoch symbolisch befrachtet, b) stand geschichtlich mit einem anderen historischen Gebäude (dem Stadtschloss) im Konflikt, c) die eigentliche Nutzungsbestimmung war obsolet. Ganz anders verhält es sich aber mit dem Menagebäude in Weimar: Die Mensa am Park ist a) nicht politisch oder symbolisch belastet, b) historisch wäre nur die alte Parkgestaltung von vor dem Mensabau rekonstruierbar, c) die Nutzung als Mensa hat nach wie vor gegeben. Dies alles spricht meiner Ansicht nach für den Erhalt und insbesondere für eine stilgereichte Sanierung und Modernisierung des Gebäudes. Gerade weil die Mensa am Park bisher kaum saniert wurde, geht ihr moderner Charme derzeit im alltäglichen Geschirrgeklapper und Stühle rücken unter.

    Unzweifelhaft bietet ein am Park gelegenes Bauhausmuseum ein verlockendes Bild. Wie jedoch die Kontroverse um den Abriss der Mensa am Park zeigt, sollte ein anderer Standort präferiert werden. Aus vielerlei Gründen ist für den geplanten Museumsneubau die Nähe zur Bauhaus-Universität-Weimar wünschenswert: einerseits historisch als Wiege des Bauhauses sowie um andererseits neueste Entwicklungen und Tendenzen in Architektur, Design und Medien an der Bauhaus-Universität Weimar einzubinden, um nur einige zu nennen. Da sich auch der Standort des Neuen Museums als schwierig erwiesen hat, würde meiner Meinung nach ein Neubau des Bauhausmuseums die architektonische Situation der Umgebung ehemaliges Gauforum auch nicht grundlegend verbessern, da dieses Areal städtebaulich durch die umfassend Einschnitte der nationalsozialistischen Baumaßnahmen so stark verändert wurde, das dies kaum durch Einzelbauten ausgeglichen werden kann. Fragt sich also, ob als universitätsnaher Standort für den Neubau Bauhausmuseum das Gelände zwischen Amalienstraße und Campus noch zur Debatte steht.

    Elke Beilfuß, Designhistorikerin

  5. 5

    Bernhard Oedekoven

    schrieb am 8. Januar 2010, 08:59 Uhr

    Liebe Elke, liebe Leser!
    Bei meinem Versuch im obigen Kommentar, darauf Einfluss zu nehmen, dass das neue Bauhausmuseum am Gauforum entsteht, geht es zumindest mir nicht vorrangig darum, die dortige architektonische Situation nachhaltig zu verbessern.
    Platt ausgedrückt: da ist Platz genug!
    Nicht so platt ausgedrückt: es lassen sich touristische, kontrahistorische, umweltverbessernde (dort liegen Altlasten), soziale (es gab die Überlegung einen Kindergarten ins Museum zu integrieren) u.v.a.m. Argumente finden oder kreiren, die diesen Standort interessant, ja sehr interssant machen.

    Zwischen Amalien- und Marienstraße gibt ausweislich einer Anfrage des vormaligen Landtagsabgeordneten Schwäblein und der Antwort der Landesregierung aus der 4. Legislaturperiode rechtliche und faktische Probleme. Sollten diese zu beseitigen sein, so hatte die damalige Landesregierung vor, dorthin das Landesamt für Denkmalpflege aus Erfurt/Petersberg umzusiedeln. Diese Option stünde Weimar nicht nur wegen der Arbeitsplätze sehr gut zu Gesichte und sollte nicht mit neuen Museen, die auch woanders stehen können, vertan werden. Vielmehr sollte die städtische Politik die in Vergessenheit geratenen Umzugspläne nochmals mit Leben erwecken.

  6. 6

    Dirk Heinze

    schrieb am 8. Januar 2010, 10:55 Uhr

    Liebe Leser,

    die Diskussion zeigt, dass der als Kompromiss so gepriesene Vorschlag des MENSA-Standorts für den Museumsneubaus doch nicht so unumstritten ist wie gedacht. Er diente aus meiner Sicht dazu, im Sommer eine Brücke zwischen Seemann und Zimmermann (wohlgemerkt nicht zwangsläufig der dahinter stehenden Institutionen, siehe das jetzige studentische Engagement) schlagen. Mit dem Vorschlag MENSA konnten darüber hinaus viele Stadträte eher leben als den Theaterplatz/Zeughof.

    Die FDP hat sich mehrfach für den Standort MINOL ausgesprochen, und ich möchte dies noch einmal begründen.

    1. Der Stadtentwicklung tut eine qualitative Bebauung der Brachfläche gegenüber der Weimarhalle gut. Die nördliche Innenstadt würde aufgewertet.

    2. Der Tourismus wird entzerrt, wie dies unser Fraktionsvorsitzender in seinem Kommentar bereits ausgeführt hat. Schließlich ist der Hauptbahnhof und das Welcome-Center in unmittelbarer Nähe.

    3. Der Standort besitzt eine gute Verkehrsanbindung. Bushaltestellen und 2 Parkhäuser befinden sich im Umkreis von 100-200 m. Eine Bushaltestelle namens Bauhausmuseum könnte hinzukommen.

    4. Wir haben 65 Jahre nach Ende der Nazidiktatur noch keinen angemessenen Umgang mit dem Gauforum gefunden. Hier kann ein Bauhausmuseum nicht nur architektonisch, sondern auch ästhetisch eine Antwort geben. Möglicherweise ist dies der Impuls, das Tabu endlich zu brechen, dass man nicht in Ost-West-Richtung das Gelände durchqueren kann. Warum eigentlich aus der Grünfläche in der Mitte keine Wasserspiele machen?

    5. Die Kosten für die Dekontaminierung der MINOL-Altlasten unter dem Gelände sind mit Sicherheit geringer als die eines Neubaus von Museum und MENSA.

    6. Der Diskussion, wo Welterbe beginnt und aufhört, geht man mit Sicherheit aus dem Weg, den die wird man beim MENSA-Standort immer wieder aufleben lassen.

    7. Der Standort MINOL gibt den Architekten deutlich mehr gestalterische Spielräume.

    Dirk Heinze, FDP-Kreisvorsitzender, Stadtrat, Mitglied im Kulturausschuss

  7. 7

    Alexander Rutz

    schrieb am 8. Januar 2010, 19:47 Uhr

    Kann mir jemand erklären aus welchem Grund der Standort zwischen Van de Velde Winkelbau und Amalienstraße, dort wo sich derzeit die ehemalige MFPA-Halle und weitere Gebäude/Baracken befinden, nicht mehr diskutiert wird? Wurde dieser Standort überhaupt schon einmal diskutiert?

    Mir scheint dieser noch wesentlich näher an den ursprünglichen Bauhaus-Stätten gelegen als die Mensa. Dazu könnte man den Raum zwischen Hauptgebäude, Winkelbau und Amalienstraße hin zum Poseckschen Garten öffnen, und so einen weiteren Eingang zum Campus inkl. Bauhaus-Museum schaffen.


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