» Ziel ist der öffentliche Diskurs um den Umgang mit der Mensa am Park in Weimar und die Vorbereitung einer denkmalgerechten Sanierung «

Sieben Fragen

Mi, 13.Januar 2010 | Autor: Prof. em. Dr. Anita Bach | Facebook

Stellungnahme der Architektin Prof. em. Dr. Anita Bach

Mit  angemessener Distanz und bisher gänzlich unbeteiligt an der Debatte um das Bauhaus-Museum erscheint es mir sinnvoll, mich noch einmal zu dem unliebsamen, schleppenden Hin und Her der Problematik „Mensastandort“ (TLZ vom 30.Mai 2009) zu Wort zu melden. Von außen betrachtet, bot sich die Diskussion der „Standortfrage“, zumindest was davon an die Öffentlichkeit gelangte, als ein Gemenge von (vorgefassten) Meinungen, Präferenzen, Gegenargumenten, Bedenken und wenig ausgeprägter Professionalität dar.

Ein geduldiger Bauherr (Präsident der Klassik-Stiftung) erhält Auftrag und Mittel für den Museums-Neubau. Es besteht, nun schon seit 2 Jahren, einmütig Zustimmung hierzu in Weimar und darüber hinaus. Der Bauherr lässt aufwendige Studien anfertigen. Ein internationaler Architekturwettbewerb  soll/muss ausgeschrieben werden.

Und nun verrät eine Bauvoranfrage des Studentenwerks zum Bau einer neuen Mensa ungeniert einen beabsichtigten „Nebeneffekt“. Man könne nämlich zeitgleich neu bauen (ein paar Gebäudeteile der Uni müssten freilich fallen), die „alte Mensa“ bis zum neuen Betriebsbeginn erhalten, sie dann unverzüglich abreißen und womöglich ebendort die Großbaustelle Bauhausmuseum einrichten.  Die verkündeten Abläufe erscheinen höchst unreal. Der Bauherr wird weiterhin Geduld üben müssen.

Dass die nun vorgestellten Absichten „auf einem guten Weg“ seien und es „eine Interimslösung nicht geben wird“ (Rektor der Universität) sei dahingestellt. Auch die Redakteure der zum Jahresanfang vorgestellten Internet-Initiative mensadebatte.de  zweifeln wohl in dieser Hinsicht.

Es bleiben viele Fragen offen!

Sie bedürfen der Klärung und einer der demokratischen Öffentlichkeit  vermittelbaren Beantwortung,

1.

Warum wurde die städtebauliche Planungshoheit der Stadt Weimar  so wenig deutlich? Wurden Stadtverordnete, als sie den zu wählenden Standort für das Bauhaus-Museum beschlossen, zu wenig professionell informiert und beraten? Gaben schwerwiegende Argumente den Ausschlag für einen Rückzug der verantwortlichen kommunalen Gremien? Hätte die Debatte nicht durchgehend unter deren Federführung geführt werden müssen ?

2.

Warum konnte der von der Klassik Stiftung bevorzugte Standort, zu dem es ja bauherrschaftliches Einvernehmen gab, nicht zwischen den beiden unmittelbaren Trägern der Bauabsicht (Bauherr und Kommune) einem verträglichen Kompromiss zugeführt werden (innerstädtische Lage, Berücksichtigung eines zu erwartenden beträchtlichen Verkehrsstroms)? Wies erst ein Studentenentwurf (Darstellung der zu umbauenden Kubatur  für das Museum in Würfelform) die besonderen Schwierigkeiten innerstädtischer Bebauung aus? Gab es qualifizierte Entwurfsstudien mit baukörperlich verträglicheren „Massen“ für andere  geeignete Standorte?

Warum wurde ein Disput darüber nicht öffentlich geführt?

3.

Welchen Einfluss konnten zuständige Amtsbereiche des Landes Thüringen und berufliche  Fachgremien (Architektenkammer, Bund der Architekten , Gremien der Denkmalpflege u.a.) auf den Verlauf der Standortfindung geltend machen? Warum hörte man so wenig in der Öffentlichkeit über diese  Debatten?  Dürften die  Meinungen der „Träger öffentlicher Belange“ , die notwendigerweise  auch  zur  Entscheidung „Bauvoranfrage  neue Mensa“, einzuholen sind,   nicht  ein wenig unter dem Niveau des Planungsvorlaufs  für das Bauhausmuseum angesehen werden, falls dessen Standort  damit festgeschrieben würde?  Wie  sollte dann noch ein der Bedeutung des Museums angemessener Städtebaulich-architektonischer Wettbewerb  ablaufen? Hat man sich zum Standortproblem um hilfreiche Beratung durch erfahrene Städteplaner /Architekten (bundesweit und darüber hinaus), bemüht?

4.

Warum gerät erst jetzt  der Standort Ilmpark (Abriss der Mensa) in  den Fokus  einer offenen  Debatte?  Gab  es von vorn herein die definitive Absicht der Universitätsleitung, die planerische Vorbereitung für das Bauhaus-Museum sozusagen als „hauseigenen“ Vorgang zu sehen?  Müssen sich  Interessierte und Beteiligte, Studenten wie Lehrende  Weimarer Hochschulen und viele Fachkollegen,  nicht fragen, ob bisher nur eine Scheindebatte um den  Museums-Neubau geführt wurde?  Ist dessen  standörtliche Einbindung im nahen Umfeld   der Bauhaus-Universität, bei allen Gesichtspunkten, die dies bejahen könnten, so zwingend, dass  eine derartige Selbstbeschneidung der gewachsenen Campus-Struktur gerechtfertigt wäre? Kann  wünschenswerte Zusammenarbeit  zwischen zwei  hochrangigen Institutionen wissenschaftlichen Einrichtungen nicht auch über eine stadtverträgliche Distanz hinweg gepflegt werden?  Würde  ein so bedeutendes Museum  seine besonderen funktionellen / inhaltlichen Aufgaben im Ensemble der  Weimarer Museen nicht auch an einem anderen verfügbaren und geeigneten Standort erfüllen können?

5.

Ist die Debatte Pro und Kontra  Abriss oder  Sanierung der Mensa wirklich zu einem guten Ende geführt worden?  Warum sah man noch vor zwei Jahren die  Sanierung als normal anstehenden Vorgang (Dr. Schultz in Verbindung mit einem Kurzfilm über die Mensa)? Spielt die dokumentierte Akzeptanz der „Besonderheiten“ der Weimarer Mensa gegenüber den üblichen zeitgleichen Typenbauten, die ausschließlich der Speisenversorgung dienten, in den gegenwärtigen Debatten keine Rolle mehr? Trägt man der Tatsache Rechnung, dass jede Bausanierung erfahrungsgemäß auch Gesichtspunkte  einer Modernisierung eröffnet (Anpassung an technische Entwicklung, Eingehen auf funktionelle/kapazitative Veränderungen)? Bietet die  Baustruktur des Mensagebäudes (Stahlskelett) nicht wünschenswerte Flexibilität direkt an? Wer verantwortet die „Vernichtung“ sanierungsfähigen umbauten Raumes unter wirtschaftlichem Kalkül? Wer wird  die Kosten  der „Umschichtung“ des Mensabetriebes in einen Neubau  verantworten? Wie könnte das Vertragsverhältnis zwischen Universität und Studentenwerk gestaltet werden, damit verzichtbare Nutzflächen der an Raumnot  leidenden Uni oder der Öffentlichkeit  zugute Kämen?

6.

Ist es unter geltendem Baurecht  zulässig, Studentenarbeiten in ein verbindliches Planungsverfahren (hier Bauvoranfrage) einzubinden? Gibt es Einvernehmen darüber, dass studentische Entwurfsideen an dieser Hochschule stets  ein willkommener Beitrag zur Lösung städtebaulicher /architektonischer Aufgaben waren und sind, diese jedoch auch als „Gegenbeispiele“ (gewollt oder aus Unvermögen)  durchaus eine Rolle spielen können? Hat man daran gedacht, offenbar mehrfach vorliegende  Studentenentwürfe zum Bauhaus-Museum einander gegenüber zu stellen, öffentlich zu machen und zu bewerten?  Warum tragen  die betreuenden Lehrenden nicht gemeinsam Verantwortung in diesem Prozess?  Gibt man sich tatsächlich mit dem Entwurf für eine neue Mensa zufrieden, die als respektloser Eingriff in die historische Bebauung der Marienstraße (planmäßige Stadterweiterung der  Goethezeit) verstanden werden muss?  Sollte nicht auch die Meinung der Studenten hierzu gefragt sein?

7.

Schließlich sei die Frage erlaubt, an welchem Ort die Bauhaus-Universität selbst eigene museale Schätze und Dokumente der Öffentlichkeit auf Dauer darbieten könnte. Wäre nicht genügend Substanz (auch an Gegenständlichem) vorhanden?  Genügen  temporale Ausstellungen anlässlich von Jahrestagen und Jubiläen diesem Zweck bereits? Hätte die lange Geschichte dieser Hochschule nicht Werte darzustellen und lebendig zu erhalten, die parallel zum Bauhaus-Museum  als Bereicherung der  Weimarer Museumslandschaft  gelten könnten? Würden solcherart Absichten der Universität nicht besser anstehen als der Versuch, auf eigene Kosten vermeintliche „Hilfe“ zur bisher nicht sehr ermutigenden  Standortdebatte für das von allen gewünschte Bauhausmuseum leisten zu wollen.

Fazit:

Es ist höchste Zeit, der Öffentlichkeit einen fundierten Ablaufplan für Vorbereitung und Bau des Museums vorzulegen!

Prerow, 12. Januar 2010

Prof. em. Dr. Anita Bach

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