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Nur zwei Fragen

Sa, 16.Januar 2010 | Autor: Simon Scheithauer | Facebook

Dass eine Erweiterung des bestehenden Museums notwendig ist, ist unstrittig. Eine Vergrößerung des bestehenden Museums wäre naheliegend und konsequent; zumal alle Vorraussetzungen gegeben sind. Warum also sollte man das Museum in Gänze an einen Ort verlegen, der zunächst einmal gar nicht verfügbar ist?
Ein nachvollziebares Anliegen ist sicherlich, dass der interessierte Besucher, der auf der Suche nach dem Museum doch nur eine Hochschule hat finden können, es bis zum tatsächlichen Museum nicht mehr allzu weit haben sollte. Es stellt sich jedoch die Frage, in welcher Beziehung man sich als Hochschule zum historischen Bauhaus versteht? Ist die Bauhaus-Episode in Weimar tatsächlich Geschichte, oder die Universität heute der Krückstock an der Seite einer bald 91. jährigen Idee? Sind wir in “selbstbewusste Studenten und Lehrer” , oder neigen wir dazu die Fragen von morgen mit Antworten von vorgestern bedienen zu wollen?

Ob man ein Bauhaus-Museum in unmittelbarer Nachbarschaft der Hochschule will ist eine Frage, die der Bedeutung der Mensa jedoch eine Andere. Am 6. Januar analysierte der Zeithistoriker Prof. Dr. Klaus Schröder unter dem Titel “Demokratieverdruss” in der F.A.Z. die Ursachen der skeptischen Haltung großer Teile der Ostdeutschen Bevölkerung gegenüber der bundesrepublikanischen Demokratie. Eine Ursache sieht Schröder in der scheinbar systematischen Entwertung in der DDR geschaffenen Werte. Das ist keine Verklärung ebenso systematischen Unrechts, für das die DDR zweiffellos (auch) steht, anhand relativ banaler Alltagsgegenstände, weil Schröder sich vor allem auf die Subjektive Wahrnehmung der Menschen bezieht. Worauf ich hinaus möchte ist, dass die existierende Mensa  als zeithistorisches Zeugnis eine Daseinsberechtigung hat, die unabhängig von ihrer architektonischen Qualität ist. Es geht weniger darum, ob das Gebäude gefällt – mit Einschränkung – sogar weniger darum ob es funktioniert, es geht vor allem darum, wofür es steht.  Und es steht vor allem für einen Abschnitt deutscher Geschichte, der in Weimar bereits jetzt extrem unterrepräsentiert ist. Das mag auch unangenehme Erinnerungen wachrufen; nichts desto trotz und gerade deshalb ist die Mensa in diesem Sinne zeithistorisch – möglicherweise sogar architektonisch -  relevant.

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