» Ziel ist der öffentliche Diskurs um den Umgang mit der Mensa am Park in Weimar und die Vorbereitung einer denkmalgerechten Sanierung «

Um was es für das Studentenwerk geht

Do, 21.Januar 2010 | Autor: Dr. Ralf Schmidt-Roeh | Facebook

Eine Stellungnahme des Geschäftsführers Dr. Ralf Schmidt-Röh

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Das Studentenwerk Thüringen bewirtschaftet in den thüringischen Hochschulorten 10 Mensen und 12 Cafeterien. Sie sind die kommunikativen Zentren der Hochschulen hierzulande, manchenorts bieten nur sie auch den notwendigen Platz, an dem sich Studierende außerhalb der Hörsäle, Labors und Seminarräume überhaupt aufhalten können. Der Blick auf unzählige Laptops, Vorlesungsordner und vereinzelt auch Spielkarten an den Mensatischen zeigen dies tagtäglich. Und die Studierenden sind auch gewohnt, dort im Wochendurchschnitt ihr Essen zu einem Preis von unter 2 Euro zu kaufen, dass zu dem abwechslungsreich ist, Bio-Komponenten enthält und allein schon durch das regelmäßige Angebot und darüber hinaus auch zur Gesundheit beiträgt. Dies alles unterstützt der Freistaat mit einem Zuschuss, der gegenwärtig aber jährlich abnimmt, während die Waren-, Personal- und Betriebskosten zum Teil kräftig in den letzten Jahren gestiegen sind.

Die baulichen Aspekte rund um die Mensen und Cafeterien sprechen darüber hinaus eine drama-tische Sprache: 5 der 10 Mensen wurden bislang noch nicht grundsaniert. Bauliche Mängel in den Räumen haben in verschiedenen Objekten schon zu Schließungsandrohungen geführt. Immer noch werden technische Anlagen betrieben, die vor 1989 errichtet wurden. Die Ersatzteilbeschaffung ist da manchmal schon abenteuerlich. Wärmeschutz- oder ganz und gar Energieeinsparverordnung sind für diese Häuser Fremdworte, obwohl die Mensen und Cafeterien energieeffiziente Einrich-tungen sein könnten.

In der Zuständigkeit des damals bestehenden Studentenwerks Jena-Weimar wurde in 2005  genau aus diesen Gründen auf der Basis der damals gerade bei der Sanierung der Mensa Carl-Zeiss-Promenade 6 in Jena gewonnenen Erfahrungen auch eine Studie zur Sanierung der Mensa am Park erarbeitet. Damit sollte die Erneuerung dieser Mensa bei den Vorhaben, die in Thüringen über das Hochschulbaufördergesetz (HBFG) als Gemeinschaftsaufgabe des Bundes und der Länder umgesetzt werden, Berücksichtigung finden. Leider fiel dieses Gesetz bekanntlich 2007 der Föderalismusdebatte zum Opfer. Seit dem ist der Freistaat selbst für den Hochschulbau zuständig und hat unter der vorherigen Regierung keine einzige Maßnahme zur Sanierung oder Neuerrichtung einer Mensa im Hochschul-entwicklungsplan vorgesehen. (Hier ist wohl ein Ansatzpunkt für eine „Mensadebatte“ !). Eine Planungsfreigabe für die Sanierung der Mensa am Park erfolgte jedenfalls nicht.

Mit dem Konjunkturpaket II sollten nach Überlegungen der Bundesregierung in 2009 vor allem Maß-nahmen berücksichtigt werden, die in Haushaltsplanungen noch noch keine Rolle spielten und bei denen u.a. energieeffiziente Lösungen entwickelt werden können. Das Studentenwerk hat für Mensen und Cafeterien insgesamt 5 Vorhaben im Umfang von ca. 18 Mio. Euro vorgeschlagen und die Sanierung der Mensa am Park wieder an die erste Stelle auf der Prioritätenliste gesetzt. Sicher wäre es eine Herausforderung gewesen, in der für die Umsetzung der Maßnahmen des Konjunktur-paketes II zur Verfügung stehenden Zeit das Vorhaben komplett umzusetzen und

  • den notwendigen Kostenvergleich mit einem entsprechenden Neubau,
  • die Erarbeitung von Ideenkonzepten,
  • die Genehmigung des Vorhabens auf der Grundlage des Bestentwurfes,
  • die notwendigen Ausschreibungen
  • und den Umbau an sich

zu schaffen. (Wenn sich aber eine Chance zur Situationsverbesserung ergibt, wird sich das Studen-tenwerk Thüringen auch in Zukunft immer einer solchen Herausforderung stellen.) Die Landes-regierung hatte jedoch vor einem Jahr eine andere Entscheidung getroffen. Die erforderliche Planungsfreigabe der zuständigen Ministerien drohte damit erneut in weite Ferne zu rutschen.

Dem Rektor der Bauhaus-Universität Weimar, Herrn Professor Zimmermann, ist es zu danken, dass in dieser Situation, sicher aus den bekannten Gründen, mit Zustimmung des (damaligen) Thüringer Kultusministeriums wenigstens an der Frage des Kostenvergleichs mit einem Neubau weiterge-arbeitet wurde. Eine erste Studie hat im vergangenen Frühjahr eine Kostenneutralität ausgewiesen, da für eine neuzubauende Mensa tatsächlich nicht die Essenkapazität und Gebäudegröße wie die der vorhandenen Mensa benötigt wird. Die Frage nach einem dafür geeigneten Standort, der keine Nachteile der Lagebeziehung zu den Weimarer Hochschulen mit sich bringen darf, hat allerdings erst durch die Studentenarbeiten an der Fakultät Architektur im Spätsommer einen Lösungsansatz aufgezeigt. Gleichermaßen haben diese Arbeiten auch eine Reihe von Fragen aufgeworfen (z.Bsp. der Umgang mit den unter Ensembleschutz stehenden vorgelagerten Häusern an der Marienstr., oder zu den Anforderungen zum  Brandschutz, die in einzelnen Gesprächen mit den Trägern öffentlicher Belange nicht zu klären waren. Konsequenterweise hat das Studentenwerk sich bereit erklärt, an dieser Stelle eine Bauvoranfrage zu stellen, anhand deren diese Fragen in einem üblichen Verfahren unter Beteiligung der zuständigen Träger öffentlicher Belange beantwortet werden können.
Das Studentenwerk hat im Rahmen der Erarbeitung der dafür notwendigen Unterlagen auch unter-sucht, welche Voraussetzungen tatsächlich an diesem Standort erfüllt sein müssen, um einen zeit-gemäßen Mensabetrieb zu gewährleisten. Im eingereichten Stehgreifentwurf wurde lediglich das Baufeld, nicht das Gesamtergebnis einer Studentenarbeit aufgegriffen. Er soll lediglich dazu dienen, Für und Wider abzuwägen. Im Ergebnis der Bauvoranfrage wird dann feststehen, ob eine Mensa mit den genannten Bedarfsanforderungen auf diesem Baufeld, ggf. mit einer Reihe von Einschrän-kungen und Auflagen errichtet werden könnte oder auch nicht. Und dann erst wird eine Entschei-dung anstehen, ob der Freistaat Thüringen die Mensa am Park saniert (sanieren lässt) oder an deren Stelle, aus welchen Überlegungen auch immer, besser eine neue Mensa baut (bauen lässt). Beides wird Geld kosten !

Nach Lage der Dinge scheint sicher: ohne eine Diskussion um den Standort des Bauhaus-Museums wären die Planungsunterlagen für die Sanierung der Mensa am Park wohl schon für Jahre wieder in den Schubladen verschwunden. Und das Studentenwerk Thüringen hofft, dass die derzeitige Debatte um den Erhalt der Mensa, ggf. auch ohne die Diskussion um den Standort des Bauhaus-Museums, soviel Kraft entfaltet, dass die Landesregierung die für deren Sanierung notwendige Finanzierung gewährleistet und die Mensa am Park nicht schon bald aus baurecht-lichen oder hygienischen Gründen geschlossen werden muss. Ein nachhaltiger Anstieg der Nachfrage der kulinarischen und kulturellen Angebote in der Mensa, zu dem auch die regelmäßigen Gespräche im bestehenden Mensaauschuss beitragen, ist als wesentliches Argument in der Zukunft anzustreben.
Ein Wort auch zu den 7 Fragen von Frau Prof. Bach: Die von ihr unter 5. genannten Aspekte einer Modernisierung und Anpassung des Sanierungsobjektes hat das Studentenwerk vor 4 Jahren schon berücksichtigt, eine aktuelle Bearbeitung wird weitere hinzufügen wie auch bspw. die ENEV 2009 als Herausforderung zu bewältigen haben. Die Debatte, die sich aus Sicht des Studenten-werks nicht  auf Abriss des vorhandenen Gebäudes, sondern gegenwärtig auf Neubau oder Sanierung konzentriert, wird mit den Ergebnissen der Bauvoranfrage noch nicht zu Ende sein. Die Diskussion um die zu treffenden Entscheidungen wird erst einsetzen, und zwar endlich auf der Grundlage konkreter Argumente. Und die Suche nach den besten Lösungen kann dann starten. Zu hoffen ist, dass die neue Landesregierung so oder so den Ball aufnimmt und dafür sorgt, dass die Studierenden und Mitarbeiter der Hochschulen in Weimar ihr Mittagessen auch bald in einer modernen und energetisch effizient arbeitenden Mensa, die auch wegen ihrer guten Lage nach wie vor das kommunikative Herz des Campus bildet, einnehmen können.

Dr. Ralf Schmidt-Röh
Geschäftsführer

Die komplette Stellungnahme als Download (pdf Dokument, 156kb)

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