» Ziel ist der öffentliche Diskurs um den Umgang mit der Mensa am Park in Weimar und die Vorbereitung einer denkmalgerechten Sanierung «

Kein Typenprojekt

Fr, 29.Januar 2010 | Autor: Prof. Dr. Peter Gross | Facebook

Stellungnahme des Oberbauleiters der Mensa am Park

Die Mensa am Park in Weimar muss erhalten werden. Sie ist ein oder sogar der Mittelpunkt des studentischen Lebens in Weimar. Nutzungseinschränkungen insbesondere für die Studierenden aber auch für die Öffentlichkeit erkenne ich lediglich in der Gewaltentrennung Studentenwerk und Bauhaus-Universität sowie in der erschwerten Zugängigkeit für die Öffentlichkeit aus administrativer / handelspolitischer Sicht (siehe z.B. die Ausgliederung des Mensafaschings oder den Hinweis an den Eingangstüren, dass der Zutritt nur Studierenden und Mitarbeitern erlaubt sei), nicht aber in der baulichen und funktionellen Struktur das Gebäudes. Das Haus bietet ein Angebot an fließendem Raum, was visuell und tatsächlich zur Nutzungsvielfalt regelrecht auffordert. Die Bauhäusler hätten sich sicherlich über ein solches Funktionsangebot an diesem Ort mit der Öffnung zum Freiraum gefreut.

Die Weimarer Mensa ist kein Typenprojekt. Sie wurde speziell für diesen Standort und mit der Aufgabenstellung nach räumlicher und visuell-ästhetischer Großzügigkeit und Offenheit entworfen, geplant und gebaut.

Unstrittig, aber normal ist der Sanierungsbedarf nach rund 27 Jahren. Kostennachteilig wirkt sich aus, dass wir bei heutigen Sanierungserfordernissen nicht nur mit der Behebung von Verschleißerscheinungen und Neuinstallationen zur Erhaltung des Hauses innerhalb der normativen Nutzungsdauer zu rechnen haben, sondern dass auch erheblich in Richtung Energieeffizienz zu investieren ist.

Wenn man bedenkt, dass es vor ca. 2 Jahren noch positive Meinungen auch aus der Bauhaus-Universität selbst zu diesem Haus gab, muss der Sinneswandel nach Abriss bedenklich stimmen. Offensichtlich verfolgt die Bauhaus-Universität mit der Freigabe des Mensastandortes für das Bauhausmuseum einen Imagegewinn. Richtig ist, dass das Museum auch Labor, Präsentations- und Aktionsraum für die Uni wird, dass es zu einer guten und sichtbaren Zusammenarbeit zwischen beiden Einrichtungen kommt. Daraus folgend ist es auch verständlich und unerlässlich, ein sichtbares Zeichen der ideologischen Zusammengehörigkeit anzustreben und zu setzen. Verlangt eine solche Zielsetzung aber wirklich einen Standort in der Nähe des Hauptgebäudes der Bauhaus-Universität? Ist die Inanspruchnahme des Mensastandortes wirklich das Nonplusultra? Ist es wirklich richtig, das Bauhausmuseum als „Nebengebäude“ an die Uni zu „kleben“?  Ich glaube nicht, dass es den Bauhäuslern wert gewesen wäre, ein Museum mit Raumverlust für ihre gesellschaftlichen und sozialen Aktivitäten zu erkaufen.

Ein Museumsstandort innerhalb der Stadt sollte für die Bauhausuniversität als eine „Universität in der Stadt“ und bei der Kürze der innerstädtische Wege relativ unproblematisch sein. Wichtiger ist doch unegoistisch einen Standort zu suchen, der durch das Museum zum positiven Potential für die Stadtentwicklung wird.

In der gesamten bisherigen Diskussion erhält man den Eindruck, der starke Partner ist die Uni. Stadt und Stiftung gaben nach. Der Stadt würde ich aus meinem eingeschränkten Blickwinkel vorwerfen, dass sie hauptsächlich mit dem Grundstück, weniger mit Argumenten für eine Stadtentwicklung gewunken hat.

Aus dem augenblicklichen Dilemma ist nur auszubrechen, wenn sich endlich kompetente Stadtplaner, Stadtarchitekten, Stadtsoziologen professionell der Aufgabe Standort für das Bauhausmuseum stellen. Es funktioniert nicht, Entscheidungen auf der Basis von drei Wunschlisten auszuhandeln. Es reicht auch nicht, die Bürger nur zu befragen und das Sammelsurium an Meinungen nach Mehrheitsfähigkeit zu sortieren. Richtig ist, die Bürger in den Entscheidungsprozess einzubeziehen.

Auf der Grundlage professioneller, verständlich vorgetragener Konzepte (in die natürlich qualifizierte Bürgermeinungen eingegangen sind) ist Meinungsbildung zu betreiben und sind Überzeugungen zu entwickeln.

Mir sei noch eine Bemerkung zu den Studienarbeiten Bauhausmuseum erlaubt. Es ist legitim und richtig, die Studierenden über Entwurfskonzepte an den Prozess anzuschließen. In diesen Arbeiten kann eine ganze Menge beachtenswerter Erkenntnisgewinn produziert werden. Diese Erkenntnisse können helfen, zu prüfen ob und inwieweit der vorgesehene Standort funktionell und räumlich tatsächlich geeignet ist. Die Entwürfe bleiben aber Fingerspiele. Die „Bestechende Lösung“ von Augustinus Clüsener platziert das Museum ganz ängstlich neben das Seminargebäude von Emil Schmidt. Die Mensa ist ein zerklüfteter Bau in der zweiten Reihe hinter den klassizistischen Hochschulgebäuden Marienstraße. Mit der zerklüfteten Dachlandschaft will man wahrscheinlich mit zeitgemäßen Mitteln auf die historische Situation reagieren. Nur ist die Plastizität aus der Fußgängerperspektive  nicht zu erleben. Denkmalpflegerisch dürfte eine solche Verdichtung auch nicht ausdiskutiert sein. Was mich aber wirklich bedenklich macht ist die Tatsache, für einen „Hochschulwerbeträger“ (das Museum soll wohl nach der Bewertung aller mir bekannten Beiträge auch als solcher dienen) die Mensa als Hinterhofbau in die zweite Reihe zu schieben, den Mensanutzern den Park zu nehmen und die Räumlichkeiten mit der Konsequenz der erheblichen Nutzungseinschränkung zu reduzieren. Ist das im Sinne des Bauhauses? Hat das Bauhausmuseum nicht das Recht, einen Standort zu bekommen,

  • wo es als Objekt mit „Selbstbewusstsein“ zeichenhaft agieren kann,
  • wo Reserveflächen für mögliche Erweiterung planbar sind,
  • wo ein solch bedeutendes Haus hilft, die belebte Zentrumsfunktion auszudehnen,
  • wo sich eine Animationswirkung auch zum Besuch von Einrichtungen aufbaut, die bisher ein bisschen unter unterentwickelten Besucherströmen zu leiden hatten,
  • wo stadträumliche Defekte beseitigt werden können,
  • wo auch die Problematik Kultur/Unkultur ein Thema sein könnte.

Mit meinem Statement trete ich für den Erhalt der Mensa am Park und für einen Museumsstandort ein, der hilft, das aktive Zentrum der Stadt Weimar zu erweitern.

Prof. Dr. Peter Groß

Montage der Stahlkonstruktion, 1982, Foto: Peter Groß

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