» Ziel ist der öffentliche Diskurs um den Umgang mit der Mensa am Park in Weimar und die Vorbereitung einer denkmalgerechten Sanierung «

Mensa am Park ist Kulturdenkmal!

Mi, 4.Mai 2011 | Autor: mensadebatte.de | Facebook

Mehr als ein Jahr nach dem drohenden Abriss genießt die Mensa nun Denkmalschutz.

Denkmalplakette vor MensaDie Mensa am Park wurde durch das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in das Denkmalbuch der Stadt Weimar eingetragen. Nach Thüringer Denkmalschutzgesetz ist die Mensa am Park jetzt als Zeugnis menschlicher Geschichte unter besonderen Schutz gestellt und damit Weimars jüngstes Baudenkmal.

»Die 1979 – 1982 von dem in Weimar an der Hochschule für Architektur und Bauwesen angesiedelten Projektierungsbüros nach einer längeren Planungsphase realisierte Mensa ist durch ihre besondere städtebauliche, baukörperliche, materialästhetische und farbliche Gestaltung ein wichtiges Zeugnis der spätmodernen Architektur in der DDR«, heißt es vom Thüringischen Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie zur Unterschutzstellung. »Darüber hinaus ist sie eines der wenigen authentisch überlieferten Exemplare dieser Baugattung. Die – im Vergleich zum zeitgenössischen Gesellschaftsbau der DDR – hohe architektonische Qualität ist Ausdruck der besonderen Entstehungsumstände an einer renommierten Architekturhochschule und darin auch ein Teil der Geschichte der heutigen Bauhaus-Universität.«

Die Entscheidung zur Unterschutzstellung der Mensa basiert laut dem Landesdenkmalamt auf den eingehenden Analysen zum Bestand an Mensa-Bauten der ehemaligen DDR sowie auf Voruntersuchungen zur Erhaltung wesentlicher denkmalkonstituierender Eigenschaften. Diese wurden im Rahmen eines Seminars an den Professuren für Denkmalpflege und Baugeschichte, Baukonstruktion und Bauklimatik der Bauhaus-Universität Weimar mit Unterstützung der Initiative mensadebatte.de im vergangenen Wintersemester erarbeitet.

Eine Ausstellung mit Ergebnissen des Seminar ist noch bis zum 15. Mai 2011 im Hauptgebäude der
Bauhaus-Universität Weimar zu sehen.

Das Team der Mensadebatte ist hoch erfreut über die Eintragung und dankt ganz herzlich allen Beteiligten, die sich in den letzten anderthalb Jahren für das Gebäude und dessen öffentliche Wahrnehmung eingesetzt haben! Ziel muss es jetzt sein, die Mensa in einer vorbildlichen Weise denkmalgerecht und den heutigen Anforderungen entsprechend instandzusetzen.

2 Kommentare »

2 Kommentare zu “Mensa am Park ist Kulturdenkmal!”

  1. 1

    Mark Escherich

    schrieb am 10. Mai 2011, 21:00 Uhr

    Super. Glückwunsch an Mensa-Debatte, alle Mitinteressierten und das Landesdenkmalamt! Zur Unterschutzstellung sei ergänzt, dass die Entscheidung für die Mensa neben der eingehenden Analyse zum Bestand an Mensa-Bauten der ehemaligen DDR auch auf dem Vergleich mit anderer Architektur der 1970er und 1980er Jahre in der Region Thüringen basieren dürfte. Eine Überblicksstudie mit tausenden von Gebäuden und Ensembles aller Bauaufgaben liegt seit zehn Jahren im Landesamt – einschließlich einer einsprechenden TOP fifty der thüringischen Nachkriegsmoderne. Ein Blick darauf zeigt, dass der Weg zur aktuellen gesellschaftlich-kulturellen Anerkennung der Mensa von (offensichtlich notwendigen) Leichen gepflastert ist: Bauten mit Ikonen-Potential, wie das Centrum-Warenhaus und die “Stadthalle der Freundschaft” in Suhl oder das zeichenhafte Jenaer Fernrohr-Hochhaus wurden durch brachiale Umbauten ihrer baukünstlerischen Prägnanz beraubt. Hermann Henselmanns Ferienheim-Hochhaus “Rennsteig” in Oberhof und das nicht minder anspruchvolle, wenn auch weniger bekannte “Angereck” von Erfurt sind Beispiele für Abbrüche an Orten, wo später nichts Gleichwertiges oder überhaupt nichts Neues entstand. Die Aufzählung lässt sich fortsetzen. Es bleibt die Hoffnung, dass das noch Vorhandene der Nachkriegsmoderne nun auch außerhalb des universitären Einflusskreises mehr Wertschätzung findet. Möge Weimar überall sein.

  2. 2

    Kristian Kupferstecher

    schrieb am 15. Juli 2011, 10:35 Uhr

    Mit Freude habe ich erst jetzt von der Entscheidung des Thüringischen Landratsamtes gelesen, die Mensa unter Schutz zu stellen. Bei Besuchen des Parks habe ich immer gern am und im Bau verweilt, wohl weil mir die Besonderheit des Hauses aufgefallen war. Als ich im letzten Jahr von den Pländen erfuhr, die Mensa abzureissen war ich recht erschrocken. Das die treibende Kraft dafür die “Bauhaus”- Universität war hat mich daran zweifeln lassen, ob Teile dieser Organisation überhaupt des Tittels würdig seinen. Kurios: Um ein Bauhaus-Museum in Weimar zu bauen sollte einer der wenigen, möglicherweise qualitativsten Vertreter des Bauhaus-Erbes der Epoche aus der zweiten Hälfte des Bauhausjahrhunderts in Weimar vernichtet werten! Wir borniert muss man eigentlich sein, um die Bauhaus-Universität nach aussen zu vertreten? Die Nachwendejahre sind doch vorbei, in denen Hass auf das DDR-System zu Verachtung der Produkte dieser geschichtlichen Epoche eventuell noch nachvollziehbar waren. Nein, wer sich noch heute von solchen ideologischen Haltungen leiten lässt, zur Erinnerung, kurz nach der Wende gab es Ideen der Fernsehturm in Berlin deswegen abzureissen, hat in einer solchen Verantwortung nichts zu suchen!
    Ansonsten kann ich mich den Kommentar von Mark Escherisch anschliessen. Ich bin froh das Thüringen langsam ein eigenes Bewußtsein für seine jüngere Geschichte entwickelt. Der Enstscheid des Thüringischen Landratsamtes ist ein Beweis, der mich weiter hoffen läßt.


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